
Werner Lippert, Museumsdirektor und Leiter des “NRW-Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf” war in der letzten Sendung bei uns zu Gast und hat mit uns über das Thema “Kunst und Museen im Zeitalter des Internets” und über ihre Konvergenz gesprochen. Wir möchten dieses spannende Thema noch einmal vertiefen.
Google hat es mit seinem “Art Projekt” vorgemacht – ein Dienst, der ähnlich dem “Google Street View” digitale Führungen durch die bekanntesten Museen anbietet. So können dem Benutzer auch Zuhause die größten Kunstwerke näher gebracht werden. Doch was heißt das für die Museen? Bleiben die Besucher aus? Wie steht es mit der Wirkung der Kunst – geht diese verloren? Wir haben mit Werner Lippert über die Chancen und Gefahren dieses neuen Trendes gesprochen.
Google “Art Projekt”
Mit dem “Art Projekt” von Google sind nun im Netz digitale Rundgänge durch Museen und Kunstausstellungen möglich. Diese Rundgänge funktionieren wie Google Streetview. Die maßstabsgetreuen Abbildungen von Museen und Kunstwerken und die ausführlichen, detaillierten Ausführungen zu den einzelnen Stücken dient laut Werner Lippert der Dokumentierung und Aufzeichnung von Kunst. Er sieht in dem neuen Programm keine große Konkurrenz zu Museen und Ausstellungen, da das reale Erfahren von ganz anderen Faktoren geprägt ist:
“Meiner Meinung nach [...] ersetzen sie nicht das auratische; dass man vor einem Foto steht, vor einem Bild und sagt ‘Wow, das hat ein einzelner Mensch vor Jahren oder Jahrzehnten fotografiert, gemalt, und das ist das Übriggebliebene eines Menschen, der ein Genie war.”
Die Aufgabe eines Museums besteht laut Lippert darin, diesen Gedanken und den Wert eines Kunstwerks aufrecht zu erhalten, sodass auch die Hochachtung der Menschen vor Kunstwerken immer wieder spürbar wird.
Konvergenz von Kunst und Internet
Das Internet darf nicht als Konkurrenz verstanden werden, sondern muss als Chance gelten, neue Formen von Kunst und Inhalten herstellen und verbreiten zu können.
Ein Projekt des Guggenheim-Museums macht dies deutlich: Per Aufruf wurden Internetnutzer dazu aufgefordert, eigene Youtube-Videos einzuschicken und so selbst Produzenten von Kunst zu werden. So kann ein Künstler auch das Internet nutzen, um sich und seine Werke zu präsentieren wie es zum Beispiel der Berliner Künstler Edward Gordon in seinem Blog tut: Jeden Tag stellt er ein neues seiner Gemälde zum Verkauf aus. Die Kunst im Internet anzubieten und zu verkaufen oder zu versteigern führt so zu einer Veränderung des Vertriebskanals.
Doch die Kunst kommt nicht nur ins Internet. Das Internet kann auch Bestandteil der Kunst werden, wie es bei dem Museum ZKM in Karlsruhe als “Netzkunst” bereits Praxis ist. Hierbei stellt sich allein das Problem der Bereitstellung und die Frage nach der Zugänglichkeit der digitale Kunstwerke:
“Man ist sich im Moment noch nicht einig darüber: wie kann man überhaupt Kunst, die im Netz ist,die interaktiv ist, sich verändert, sammeln und festhalten? Für die Künstler besteht das große Problem, wie man diese Werke verkaufen kann”, so Lippert.
Einbindung und Nutzung von “Social Media”
Eine Zukunft im Netz sehen die Museen auch in ihrer Präsenz in den sogenannten “Social Media”: Lippert und das “NRW-Forum” nutzen Facebook und Co. nicht nur als Werbechance, sondern wollen auch Menschen erreichen, die aus räumlicher Distanz das Museum nicht besuchen können.
Das NRW-Forum kann bei sozialen Netzwerken bereits auf die stolze Zahl von insgesamt an die 23.000 Fans und Freunden blicken. Er erklärt sich das mit der Hingabe an die Pflege solcher Netzwerke. Es dürfe darin keine Bedrohung, sondern vielmehr eine Bereicherung und Erweiterung gesehen werden: “Es hat etwas mit Liebe zu tun. Man muss seine Fans lieben. Wenn ich die hasse, wenn ich das als Arbeit ansehe, dann würden wir auf ganz verlorenem Posten stehen.”
Das Internet als modernes Medium und die Verlegung der Kunst ins Netz sollten also nicht als Bedrohung, sondern als Chance verstanden zu werden, neue Methoden und Wege zu finden, mit Kunst umzugehen. Diese neue Möglichkeit, die Menschen zu erreichen sollte genutzt werden, um sich und die Kunst einer breiten Basis von Menschen präsentieren und auch selber neue Kompetenzen erlernen zu können.



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