
Seit gestern bietet das soziale Netzwerk Facebook einen neuen Dienst mit dem Namen “Places” an – zwar bisher nur in den USA, doch auch in Deutschland soll es “Places” laut Facebook bald geben. Hinter dem Namen, der auf Deutsch “Orte” bedeutet, verbirgt sich ein eigentlich ganz simples Prinzip: Jedes Mal, wenn man von seinem Mobiltelefon aus auf Facebook eine Statusnachricht einträgt, kann man in Zukunft auch über eine Lokalisierungssoftware angeben, wo man sich gerade befindet. Facebook nennt das “einchecken” bzw. im Englischen “to check-in”. So sollen sich um Orte herum Geschichten entwickeln, zudem kann man sehen, wo sich Freunde gerade befinden, und ob sie in der Nähe sind.
Zur Funktionsweise von “Places” hat Facebook auch ein Werbevideo veröffentlicht:
Die Faszination der Geodaten und die Kritik an “Places”
Mit “Places” kopiert Facebook ein Konzept, das schon seit einiger Zeit von Start-Ups wie Foursquare, Gowalla oder dem deutschen Friendticker vorangetrieben wird. Auch dort können die Nutzer an Orten “einchecken” und so der Welt mitteilen, wo sie sich gerade befinden. Solche Daten über den Aufenthaltsort einer Person oder eines Objekts werden auch “Geodaten” genannt, die Dienste heißen “Geodienste”.
Auf den bisher bestehenden Plattformen hat sich dieses Mitteilen des eigenen Standorts zu einem regelrechten Wettkampf entwickelt. So kann man auf Foursquare der “Mayor” eines Ortes (z. B. eine Bar oder ein Café) werden – derjenige, der dort innerhalb eines bestimmten Zeitraums am häufigsten “eincheckt”, erhält diesen Titel. In den USA ist auch schon die Privatwirtschaft auf die Dienste eingestiegen: Einige Cafés bieten dem jeweiligen Mayor beispielsweise ein Freigetränk oder ein paar Prozente. So erhalten die Nutzer der Geodienste teilweise echte Vorteile daraus, dass sie öffentlich machen, wo sie sich gerade befinden.
Natürlich kann man an dieser Stelle hinterfragen, wie viel Geld man ins Kaffeetrinken investieren muss, um bei solchen, zumeist sehr beliebten Cafés den Titel des “Mayors” zu erhalten – und ob sich der Rabatt dann überhaupt noch lohnt. Doch die meisten sehen den “Kampf um die Vorherrschaft” an einem Ort, oder neudeutsch einer “Location”, eben als eine Art Online-Spiel im echten Leben, und so spielt das offensichtlich für diese Intensivnutzer der Geodienste keine Rolle.
Bei dem Gedanken daran, dass jeder weiß, wo man gerade sind, wird einigen aber auch mulmig. Deshalb wird die Einführung von “Places” auch durchaus kritisch gesehen – vor allem, weil der Dienst standardmäßig aktiviert ist, und ihn die Nutzer erst deaktivieren. Viele der Kritiker fordern, es solle anders herum sein, so auch der Blogger Markus Beckedahl auf netzpolitik.org: “Toller Service von Facebook, dass man darüber nicht informiert wird und den Service abschalten muss, anstatt danach gefragt zu werden, ob man denn den Service nutzen möchte.”
Wie Sie den Dienst abschalten können, möchten wir Ihnen in einer kurzen Anleitung zeigen.
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