Einige unserer Hörer und natürlich auch diejenigen Leser, die das Web immer im Auge haben, werden es schon mitbekommen haben: eines der größten und einflussreichsten Blogs weltweit – engadget.com - hat seine Kommentarfunktion gesperrt. Die Süddeutsche bringt es in einem Artikel (Das Schweigen der Nerds) ihrer Online-Ausgabe auf den Punkt: aufgrund sexistischer Beleidigungen und trolligen Verhaltens wollten die Betreiber des größten Technik-Blogs, das monatlich von etwa 1,5 Millionen Amerikaner besucht wird, ein Zeichen setzen.
Chefredakteur Joshua Topolsky erklärt seinen Schritt in einem kurzen Web-Eintrag damit, dass es für ihn nicht akzeptabel sei, wenn die Kommentare und der eigentlich freundschaftliche Diskurs, der allen einen Mehrwert vermitteln soll, nicht eingehalten wird. Dieser Schritt ist erst einmal angemessen und auch nicht verwunderlich – trotzdem ist in der Community und auch bei uns in der Redaktion ein bisschen Überraschung entstanden und eine Diskussion ausgebrochen. Ist engadget überhaupt noch ein Blog im definitorischen Sinne, wenn es keinerlei Kommentare zulässt?
Zweierlei Meinungen hierzu – Marek Hoffmann schreibt im Basic Thinking Blog-Leser Togo schreibt, dass er seltener auf engadget.com gehen wird. Warum? “Ohne Kommentare fehlt eben was.” Für ihn ist die Kommentar-Funktion sehr wichtig. Einige meinen also, dass die Kommentarfunktion in der Definition des social media wichtig ist und die Kooperation mit dem User zeigt. Kommentare sind die Möglichkeit, mögliche falschen Schlussfolgerungen, die in einem Text gezogen werden zu korrigieren. Ohne die Kommentare entfällt das kritsische Kollektiv der selektierenden Nutzer.
Gleichzeitig gibt es aber auch Argumente, die dafür sprechen, es nach wie vor als Blog zu bezeichnen und die auch den Schritt des Chefredakteurs unterstützen. Grundregel im Web ist der faire und angemessene Umgang miteinander – bleibt der wie im vorliegenden Fall aus, müssen Konsequenzen folgen, die im Zweifelsfall allen Nutzern wehtun. Gleichzeitig gibt es Vermutungen, auch die werbenden Unternehmen hätten den Kommentaren einen Siegel vorgeschoben. Das jedoch lehnt der Chefredakteur ab. Vielmehr haben wir in der Redaktion den Punkt aufgetan, dass Blogging software-abhängig ist und einen gewissen Standard haben sowie eine bestimmte Oberfläche bieten muss. Kommentare machen ein Blog zwar lebhafter, aber nicht zwangsläufig besser.
Fazit: engadget.com ist es gelungen, einmal ordentlich auf die Pauke zu hauen und in der Welt des WW W einmal mehr das Thema des fairen Umgangs miteinander auf den Tisch zu bringen. Dazu herzlichen Glückwunsch! Ob es sich nach wie vor um ein Blog handelt? Wir wissen es nicht, glauben aber schon, zumal mittlerweile Kommentare wieder zugelassen zu sein scheinen und es sich ohnehin nur um ein zeitlich begrenztes Projekt handelte. Haben Sie dazu weitere Meinungen und Tipps? Anregungen und Ideen? Dann kommentieren Sie doch einfach unser Blog ;-)
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