Bei all den Nachrichten über die Konkurrenzsituation zwischen Facebook und Google+, gerät schnell in Vergessenheit, dass vor nicht allzu langer Zeit noch ganz andere soziale Netzwerke das Online-Leben der Deutschen prägten: Die VZ-Netzwerke! Mittlerweile nur noch mäßig genutzt, waren sie einst die am häufigsten aufgerufenen deutschen Seiten im Internet. Doch mit dem globalen Siegeszug, den Facebook in den letzten Jahren antrat, verschwand immer mehr das Leben von den Plattformen. Zwar sind noch heute Millionen von Nutzern registriert, wirklich aktiv sind von denen aber nur die allerwenigsten. Im August kamen die VZ-Netzwerke zuletzt nur noch auf 2,3 Milliarden Seitenaufrufe. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es 11,6 Milliarden.
Dagegen wollen die Verantwortlichen jetzt etwas unternehmen. Letzte Woche stellten sie ihr neues Konzept vor. Die zu Facebook abgewanderten User dazu bewegen, wieder auf die VZ-Netzwerke zu wechseln? Diese Aufgabe scheint unlösbar. Anstelle direkt mit dem weltweit größten Netzwerk zu konkurrieren, wolle man mit den VZ-Netzwerken Nischen besetzen und somit keinen Ersatz, sondern eine Ergänzung zu Facebook darstellen, so VZ-Chef Clemens Riedl.
So soll SchülerVZ als Angebot für 10-19jährige künftig noch besser auf die Bedürfnisse von Schülern zugeschnitten werden: In einer geschützten Chat-Umgebung mit dem Name „Mein Klassenraum“ wird zum Beispiel der Austausch von Hausaufgaben ermöglicht. Die Studenten-Plattform StudiVZ soll hingegen helfen, den studentischen Alltag zu organisieren und Studieninhalte zu teilen. Das dritte VZ ändert sogar seinen Namen: Aus MeinVZ wird in Zukunft FreundeVZ. Auf dieser Seite werden die User vor allem ihr Nachtleben organisieren können.
Das neue Design scheint sich deutlich an Facebook und Google+ orientiert zu haben: Die Seite ist auch hier in 3 Spalten gegliedert: Links Navigation, mittig Inhalte und auf der rechten Seite vorgeschlagene Personen und Themen. Unten befindet sich eine Chatleiste. Die bisherige Gruppenfunktion wird es künftig nicht mehr geben.
Bei den Änderungen handelt es sich also nicht um einzelne kleine Updates, sondern um eine komplette Neugestaltung, sowohl optisch als auch inhaltlich. Um diese noch zu optimieren, wurde nun eine 6-9monatige Testphase anberaumt. Innerhalb der sollen die VZ-Netzwerke über ständiges Nutzer-Feedback bestmöglich auf die Wünsche der Mitglieder angepasst werden. Der Erfolg soll somit durch eine Konzentration auf Nischen und die Umsetzung von User-Ideen zustande kommen. Riedl scheint guter Hoffnung zu sein, dass dieser Plan aufgeht, schließlich wird das Projekt mehrere Millionen Euro kosten. Bleibt abzuwarten, ob die Nutzer solche Nischennetzwerke als nötig ansehen und auf die Plattformen zurückkehren oder, ob ihnen nicht Facebook als Universal-Verbindung ausreicht.








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