Sabine Piel führt heute durch die 120. Ausgabe der Sendung mit dem Internet. Nach der Landtagswahl und vor den Grimme Online Awards gibt es für euch wieder die aktuellsten Netzthemen auf die Ohren.
Landtagswahl und ihre Spitzenkandidaten bei Twitter
Am Sonntag, 13.05.2012, war hier in Düsseldorf die mediale Hölle los. Die Landtagswahlen haben stattgefunden. Unzählige Übertragungswagen der großen und kleinen Radio- und Fernsehsender standen am Rhein um über die Landtagswahlen zu berichten. Der Wahl war ein Wahlkampf vorausgegangen, der unter anderem auch im Internet geschlagen wurde – bei Nachrichtendiensten wie Twitter oder sozialen Netzwerken wie Facebook. Die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat sich sofort punkt 18 Uhr bei Twitter per Tweet bedankt bei den Wahlhelfern. Keine Minute später hat sie ein Foto veröffentlich, dass sie zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn zeigt. Und zwar in dem Moment als sie die Prognosen im Fernsehen erfahren hat und begeistert die Arme hochreißen. Bei den Grünen wurde auch getwittert. Die haben von ihrer Wahlparty im Kit am Rheinufer Meldungen geschrieben. In der allerersten Reaktion heißt es Wahnsinn, vielen Dank für euer Vertrauen und es gibt ein Foto von dem Spitzenkandidatin Fr. Löhrmann, wie sie noch mitten in der Menschenmenge steht und sich bejubeln lässt. Der Landesvorsitzende der NRW Grünen, Sven Lehmann, schreibt: ‚Da wacht man auf und hat 29 Mandate, also 6 Mandate mehr als bisher‘.
Es gab ja Parteien die in der Opposition bleiben, aber sich trotzdem als Gewinner sehen – die FDP und die Piraten. Die Piraten haben naturgemäß die meisten Beiträge bei Twitter. Die erste Reaktion ist ganz klassisch, man bedankt sich bei allen Helfern und danach werden immer wieder, im Minuten Takt, ungläubig die die Hochrechnungen getwittert. Kurz danach findet man einen Link auf die Internetseite der Piraten mit den Fotos aller Piraten, die jetzt einen Sitz im Landtag haben, weil sie Abgeordnete geworden sind. Bei der FDP wurde frenetisch gejubelt bei Twitter nach der ersten Prognose um kurz nach 18 Uhr, die bei über 8% lag. Es heißt, es sei ein grandioses Ergebnis. Spitzenkandidat Hr. Linder schreibt auch, dass sei ein großes Ergebnis.
Bei den Linken heißt es um kurz nach 18 Uhr wirklich ganz lapidar ‚Vielen Dank an unsere Wählerinnen und Wähler‘. Einen Tag danach gibt es noch einen Eintrag, der heißt ‚The Day after, uns gibt es noch.‘. Bei der NRW CDU gibt man sich geschlossener bei Twitter. Über den offiziellen Account der NRW CDU gibt es wenige Minuten nach der ersten Hochrechnung einen Link zum Video des ersten Statements von Norbert Röttgen, dass er als Landesvorsitzender zurück treten will und das er für das schlechte Ergebnis schuld sei.
Website der Woche:
http://www.lieferservice.de/ – Die macht das Bestellen von Essen so einfach wie möglich! Man muss sich nie wieder mit irgendwelchen Bestellzetteln oder Faltblättchen in irgendeiner Schublade rumschlagen. Man hat einen einfachen Überblick über alles was Angeboten wird. Wie das funktioniert? Ganz einfach, wenn Du auf lieferservice.de gehst wird man erst mal gefragt, wo man wohnt – denn abhängig davon, wird einem dann aus der Region wo man wohnt eine ganze Reihe an Restaurants und Ketten angezeigt, die überhaupt zu einem nach Hause liefern. Man kann eben so nach einem Essen, seine persönliche Meinung über den Lieferdienst schreiben. Was manchmal sehr praktisch sein kann. Der Vorgang geht wie folgt: Startseite -> PLZ eingeben -> aus einem Lieferdienst auswählen -> Kategorien sind Pizza, Mediterran, Asiatisch usw. -> es öffnet sich die Karte -> das Essen was man haben möchte auswählen -> eventuell eine Anmerkung dazu schreiben, wenn man was Besonderes haben möchte z.B. Pizza ohne Käse -> man kann sogar mit PayPal bezahlen! -> abschicken und warten bis das Essen daheim ist. Was auch noch toll ist, diesen Lieferservice gibt es sogar als App. Für iPhone und Android.
Grimme Online Award 2012 und ihre Nominierung
Mit dem Grimme Online Award werden seit dem Jahr 2001 vom Grimme-Institut qualitativ hochwertige Online-Angebote ausgezeichnet. In vier Kategorien werden insgesamt maximal acht Preise vergeben. Grimme Online Award Information, Grimme Online Award Wissen und Bildung, Grimme Online Award Kultur und Unterhaltung, Grimme Online Award Spezial.
Dieses Jahr sind 1900 Bewerbungen eingegangen und nun stehen die Nominierungen fest, darunter befinden sich spannende Webdokumentationen, Datenvisualsierungen, engagierte Themeseiten und Apps. Am 20. Juni 2012 werden die Preisträger dann gekürt und Daniel Fiene saß mit und war einer von 7 in der Nominierungskommission. Über 300 Webseiten haben sie sich dann genauer angeschaut. Sie haben viele Abende damit verbracht sich die Seiten anzugucken um dann in 2 Tagen Ausfallverfahren zu machen. Von 1900 Webseiten sind nur noch 25 Webseiten übrig geblieben. Die Nominierungskomission hat drauf geachtet, dass es keine Selbstdarstellersites sind sondern wirklich Angebote bei denen es sich um qualitativ hochwertige Inhaltswebseiten handelt. Neu ist in diesem Jahr das auch Apps nominiert werden können. Es wurden aber nur 2 nominiert, warum? Daniel Fiene war selber überrascht, dass man von all denen nur zwei auswählen konnte. Neben der Tagesschau-App ist auch die Frankfurter Rundschau-App nominiert. Diese App ist echt gut gewesen, denn es gibt immer mal wieder hochwertige Themenspecials, wie z.B. Februar 2012 gab es in der App eine gute Ausgabe über den Schriftsteller Charles Dickens. Der Trend dieses Jahr sind Webseiten, die Vorort genutzt werden müssen. Nominiert dafür sind z.B. Memory Loops, ein Audiomahnmal, um an die Verbrechen im 2.ten Weltkrieg zu erinnern. Es ist ein virtuelles Denkmal an die Opfer. Diese Webseite ist in München an geortet, aber es gibt auch die Webseite Radioortung – Das ist ein Hörspiel, dass man über Landkarte oder auf der Webseite mit dem Smartphone Vorort nachverfolgen kann. Das ist wirklich gut gelöst und macht auch sehr viel Spaß.
Seit einigen Jahren ist auch Datenvisualisierung ein großes Thema. Und in diesem Jahr sind auch mal richtig praktische Sachen dabei z.B. Zugmonitor der Süddeutschen-Zeitung, da kann man ganz serviceorientiert schauen, wo man denn tatsächlich jetzt gerade mit seinem Zug unterwegs ist und auf welcher Strecke es Verspätung gibt. Das ist viel besser als das was die Seite der Deutschen Bahn ausspuckt. Es ist schön eingeordnet. Außerdem gibt es bei der taz.de einen Parteispenden-Watch. Für das Parteispenden-Watch der taz.de hat OpenDataCity alle Parteispenden über 10.000 Euro seit 1994 in einer Datenbank gesammelt und die aktuellsten Daten in einer Karte visualisiert.
Der Grimme Online Award ist von großer Bedeutung und eine hohe Auszeichnung hier in Deutschland den man sich als Internetmensch abholen kann. Dieser Award ist sehr begehrt. Ebenso gab es dieses Jahr viele Interview- und Portrait-Webseiten. Nominiert dort sind z.B. das Projekt 140 Sekunden – dort wird in einem kurzen Videoportrait gezeigt was hinter Twitter-Kurznachrichten stecken kann. Also ein Tweet und seine Geschichte. Noch dazu sind nominiert die Slidesshow’s der berlinfolgen. Das sind sehr gut produzierte vertonte Diashows, die einzelne Berliner vorstellen. Es gibt da ein berühmtes Vorbild aus New York One and 8 Million von der New York Times, aber die berlinfolgen sind so schön, dass es gar nicht schlimm ist das das Konzept kopiert wurde.
Weiterhin gab es von den eingereichten Bewerbungen auch welche die nicht nominiert wurden z.B. wheelmap.org, das ist eine Karte wo Rollstuhlgerechte-Orte gefunden und bewertet werden können. Da gibt es allerdings leider keine redaktionelle Begleitung, es ist einfach nur eine Plattform. Genauso auch die Seite startnext.de. Dort können Leute die ein kreatives Projekt starten wollen um Geld werben und sagen ‚Leute, ich möchte das gerne starten und brauche dazu noch so und so viel Geld‘. Dann kann man aber auch den Fortschritt sehen, also Miniinvestments sind das. Eine sehr gute Geschichte. Aber auch hier, wie bei wheelmap.org, leider nur eine Plattform.
http://www.grimme-institut.de/html/index.php?id=1569#c9672
http://www.nytimes.com/packages/html/nyregion/1-in-8-million/index.html
Worüber wurde eigentlich in der Next-Conference in Berlin gesprochen
Die Next-Conference entscheidet sich von der re:publica wie folgt, die Next ist ein Stückchen internationaler ausgerichtet und sie richtet sich mehr an Unternehmen und Leute, die im Internet ihr Geld verdienen. So waren dieses Jahr auch viele Startups da, Internetfirmen, um ins Gespräch zu kommen mit Investoren und Medien. Es wurden aber auch viele neue Ideen präsentiert z.B. was die Verbindung von Onlinewelt und Offlinewelt angeht. Dafür gab es ganz verschiedene Ideen, z.B. was viele schon kennen, die Gesichtserkennung, aber es wurden auch kuriose Sachen vorgestellt. Spannender hingegen waren sogenannte 3D-Drucker, mit diesen Geräten kann man jedes digitale Projekt materialisieren. Demzufolge einen echten Gegenstand machen lassen, den man richtig anfassen kann. Das kennen einige vom Zahnarzt, wenn der passgenaue Inlays selbst herstellt. So etwas soll es auch für ganze viele andere Sachen geben. Einige, die in der Branche arbeiten, gehen sogar davon aus, dass man in 5-10 Jahren so ziemlich alles mit einem 3D-Drucker kopieren kann. Vom Schuh bis hin kompletten technischen Geräten. Der ganze Knackpunkt an der Sache ist, wenn man das alles mit einem 3D-Drucker machen kann, braucht man sich ja auch gar keine Schuhe mehr kaufe, sondern man druckt sie sich einfach und das will der gute alte Bekannte nicht, das Urheberrecht. Da ist auch noch überhaupt nicht geklärt, was das im Einzelnen bedeutet, wenn irgendwann jeder ausdrucken kann, was er haben mag. Allerdings muss man noch dazu sagen, dass ist alles noch Zukunftsmusik. Soweit ist die Technik noch lange nicht. Bisher kann man nämlich mit 3D-Druckern nur einfache Figuren herstellen und keine komplexe Strukturen, die aus verschiedenen Materialien bestehen. Momentan ist es nur ein Material.
Facebook ist wie Sex, meinen manche
Viele Menschen verbringen viel Zeit bei Facebook mit ihren virtuellen Freunden. Nun gibt es eine neue Studie aus den USA, die uns allen, die viel Zeit in Facebook verbringen, zu denken geben soll. Und zwar heißt es in der Studie, dass das Posten von Beiträgen in sozialen Netzwerken, ein ähnlich starkes Gefühl der Befriedigung auslösen soll wie Sex oder Essen. Allerdings haben die Forscher nicht getestet wie hoch der Grad der Befriedigung ist. Die Selbstoffenbarung an sich ist noch keine Belohnung. Bewiesen wurde lediglich, dass das Teilen von persönlichen Dingen in denselben Hirnregionen wirkt wie Sex oder leckeres Essen. Und mutmaßlich ist es befriedigender einen Freund von sich zu erzählen als mit einem Fremden zu sprechen. Die Wissenschaftler erklären sich ihre Ergebnisse wie folgt: Überraschung! Es ist der Drang etwas von sich selbst zu erzählen. 30-40% der eigenen Redezeit, verwendet der Mensch dazu anderen von seinen Erlebnissen und Empfindungen zu berichten und das geht in sozialen Netzwerken ganz hervorragend. Um etwas von sich Preis geben zu dürfen, würden Teilnehmer sogar auf Geld verzichten, fanden die Forscher heraus. Im Schnitt waren die Teilnehmer dazu bereit 17% weniger Geld zu verdienen nur um statt Fragen, zu anderen oder Sachthemen, solche gestellt zu bekommen, die sich um ihr eigenes Leben drehen.
Beginn einer neuer Show – die Rundshow
Ein tolles Crossmedia-Projekt ist gestartet. Die Rundshow hat am Montag, 14.05.2012, seinen ersten Lauf genommen im Bayerischen Rundfunk. Daniel Fiene, ein Kollege von Sabine Piel, macht in der Sendung im Social TV. Hier sollen Internetzuschauer und Fernsehzuschauer zusammen gebracht werden. Daniel sitzt so ein bisschen da an der Schnittschnelle und das Ganze ist ein Experiment soll 4 Wochen gehen. Es gibt immer ein Tagesthema, das aktuell immer entschieden wird, und das ‚Twittern‘ und posten im Facebook soll als Selbstverständlichkeit zu der Show gehören. Richard Gutjahr und Daniel Fiene werden eine halbe Stunde reden. Sie wollen die Menschen zusammenbringen, die aus dem Netz, die sehr gerne diskutieren und die vor den Fernsehgeräten. Die Rundshow hat ein Google-Hangout d.h. man kann die ganze Zeit über dieses Videochatsystem sich einklinken und mitmachen und man ist auch die ganze Zeit zu sehen. Sie haben auch richtig Gäste und das können einfach Themenprofis sein oder Akteure eines bestimmten Themas, die werden dann per Skype dazu geschaltet. Natürlich funktioniert auch Telefon, Fax und E-Mails und das soll sozusagen die ganzen Möglichkeiten, die es da gibt an Kommunikationsmethoden ausreizen. Der große Spaß dann an der Sache ist dann die App, die Macht, da gibt es einen Daumen nach oben und einen Daumen nach unten und wenn ganz viele Fernsehzuschauer in einem Moment auf dem Daumen nach oben drücken, dann landet ein Applaus im Studio und bei dem Daumen nach unten ein ‚Buh‘. Darauf wird dann auch reagiert.
Kurzmeldungen der Woche:
- es wird über einen möglichen Apple-Fernseher spekuliert
- selbstfahrende Auto von Google hat grünes Licht für Testfahrten bekommen
- in Deutschland neuer SMS-Rekord – 55 Milliarden SMS
Lesen Sie auch dies - unsere Empfehlung:



Hinterlass uns doch einen Kommentar!
Wir freuen uns immer über Kritik, Anregungen und hin und wieder auch ein bisschen Lob!