
Willkommen zur 116. Ausgabe von der Sendung mit dem Internet. Wir haben unseren virtuellen Wahlkampf-Fußgängerstand im Studio aufgebaut und uns angeschaut, wie die Parteien bis lang so schlagen. Dazu haben wir Besuch von Christina Höwelhans aus unserem Landtagsstudio. Dieses und weitere Themen gibt es jetzt bei uns zum Nachhören.
1) Der Landtagswahlkampf im Netz
Plötzlich war er da, der Wahlkampf. Den Parteien blieb kaum Zeit aufwendige Kampagnen zu entwickeln, mit denen der Wähler überzeugt werden könnte. Aus diesem Grund konzentrieren sich die Politiker bei der NRW Wahl größtenteils auf den Wahlkampf im Netz. Der ist kostengünstig und erreicht die Leute über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter bequem zu Hause. Auffällig ist der hohe Grad an Professionalität mit dem sich die Parteien mittlerweile im Netz präsentieren. Wann ist der Kandidat in meinem Ort? Wo ist der nächste Fernsehauftritt? Und natürlich was steht im Wahlprogramm? Diese Wissenslücken können mit wenigen Klicks behoben werden. Für Aufsehen im Web sorgten in den ersten Wahlkampfwochen SPD und Grüne. Während bei Letzteren im Internet Plakate und deren Orte gebucht werden konnten, rief die SPD kurzerhand einen Plakatwettbewerb ins Leben, bei dem die Internetuser über ein eigenes Plakatmotiv und dessen Slogan abstimmen konnten. Der Siegerslogan: „SPD ist Currywurst“. Eine gute Adresse für Informationen über die Politiker des Landtags bleibt nach wie vor die Seite www.abgewordnetenwatch.de . Dort kann im Portal zur NRW-Landtagswahl direkt mit den Politikern in Kontakt getreten werden.
2) Beleidgungen im Netz – Strafmündig auch im Internet
Vor kurzem blickte die Netzwelt nach Emden, als ein 18-jähriger im Internet zur Lynchjustiz an einem, wie sich später herausstellte im Parkhausmord von Emden fälschlich Tatverdächtigen, aufgerufen hatte. Mehr als 50 Menschen waren dem Aufruf gefolgt und skandierten vor der örtlichen Polizeiwache Parolen wie „Hängt ihn!“. Das Besondere an diesem Das Besondere an diese Vorfall sei „eine neue Dynamik, wodurch so ein Aufruf nicht mehr im geschlossenen Kreis des soziale Netzwerks verbleibt, sondern ins wirkliche Leben zurückspringt“, meint der Düsseldorfer Strafrechtsanwalt und Blogger Udo Vetter. Internetnutzer sollten wissen, dass ein Aufruf dieser Art die gleichen Konsequenzen hat wie im wirklichen Leben. Im Emdener Fall sei dies ein öffentlicher Aufruf zu Straftaten und somit ein eigener Straftatbestand. Der Verfasser des Aufrufs müsste mit der gleichen Strafe rechnen wie der Täter selbst. Wäre es im Emden also zum Mord gekommen, hätte auch Ersterer mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen müssen. Auch wenn die tat nicht ausgeführt wurde, droht diesem nun eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren Udo Vetter verweist darauf, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland zwar garantiert sei und jeder „mal Dampf ablassen müsse“. Der richtige Ort dafür seien jedoch Familie und Freunde und nicht das Netz. Es solle daher vorher überlegt werden, ob der Adressatenkreis im Netz für meine Botschaft noch angemessen ist. Beim Aufruf zu Straftaten ändert dies jedoch nichts. Straftat bleibt Straftat, egal ob der Aufruf bei Facebook gepostet oder im Freundeskreis verbreitet wird.
Hier geht’s zum Blog von Udo Vetter: http://www.lawblog.de/
3) Fotosharing Seiten — voll im Trend
Die Selbstdarstellung mit Bildern im Netz gehört für viele Menschen mittlerweile so zum Leben wie Frühstück und Abendessen und ist aus dem Alltag eigentlich kaum noch weg zu denken. Aus diesem Grund boomen derzeit auch so genannte Fotosharing-Seiten, auf denen User ihre Bilder hochladen, präsentieren und in einer Community darüber schreiben können Aktuelle im Trend liegt eine Mischung aus Bilder-Upload und sozialem Netzwerk. Spartenprimus ist hier momentan Pinterest.com. Das Prinzip ist hier genauso wie bei Facebook. Mit einem kleinen aber doch elementaren Unterschied: Während Facebook als textbasiertes Medium funktioniert, gingen die Pinterestmacher den Schritt zum Soziale Netzwerk basierend auf Bildern und Fotos als visuellem Medium.
So funktionierts : Der Nutzer läd Bilder hoch und teilt diese in so genannte Boards (verschiedene Themenbereiche) ein. Andere Nutzer können entweder einzelnen Bildern folgen oder einem ganzen Board. Wo Licht ist, ist der Schatten jedoch bekanntlich nicht weit. Da hinter jedem Inhalt ein direkter Link steht, ist Pinterest sehr anfällig für Spam und versteckte Werbung. Außerdem kann man sich dort nicht einfach so anmelden, sondern muss von einem bereits registrierten User eingeladen werden. Wir haben bereits am 8. Februar drüber gebloggt.
Pinterest-Alternativen bieten nach wie vor Flickr und Picasa. Auch Flickr bietet dem Nutzer die Möglichkeit Fotos in Kategorien und Fotostreams einzuordnen und diese den anderen registrierten Usern zu zeigen. Besonders nützlich ist hier eine spezielle Suchfunktion, die es möglich macht schnell an Bilder zu kommen die keinem Urheberrecht unterliegen, also gemeinfrei sind. Wenn man also etwa Bilder zum einbinden auf einer Website sucht, dann ist Flickr eine gute Adresse. Die Stärke von Picasa wiederum liegt in der integrierten Fotobearbeitungssoftware mit der Bilder recht professionell bearbeitet werden können. Der Netzwerkgedanke ist hier allerdings noch nicht so ausgereift, weswegen Picasa wohl eher etwas zum Bilder archivieren und ablegen ist.
Zum Schluss noch zwei Fotosharing-Geheimtipps: Da Flickr in den letzten Jahren wenig weiterentwickelt wurde, hat die Webseite 500px.com sehr viele Freunde bekommen – die Seite ist eine gute Alternative zu Flickr. Außerdem kann die Seite Zooomr.com wärmsens empfohlen werden. Dahinter stehen zwei ehemalige Mitarbeiter von Flickr, die sich hier verselbstständigt haben und drauf und dran sind ihren alten Arbeitgeber zu überflügeln. Das Besondere der Website ist ihre Vielzahl an Social Media Funktionen. Neben Kommentaren, Gruppen, und Bearbeitungsfunktionen gibt es hier zum Beispiel die so genannte Geotagfunktion. Dass heißt man läd ein Bild hoch und bestimmst direkt die geographische Position der Aufnahme. Das ist etwas was es bisher bei noch keiner anderen Fotosharingseite gibt.
4) Die Boomapp Instagram und die Alternativen
In Sachen Smartphone liegen derzeit Applikationen voll im Trend mit denen man Bilder ins Netz laden und bearbeiten kann. Nicht ohne Grund hat Facebook in der vergangenen Woche angekündigt den AppDienst Instagram für eine Milliarde Dollar zu kaufen (wir bloggten drüber). Wenn man bedenkt, dass das Unternehmen Instagram nur aus 13 Mitarbeitern besteht und kaum Umsatz erwirtschaftet, dann wirkt diese Summe auf den ersten Blick astronomisch. Fachblätter, wie die Wirtschaftswoche, halten den Preis jedoch für angemessen und sprechen vom “Eine Milliarde Dollar Schnäppchen”. Der Grund für die Übernahme ist schnell gefunden. Instagram ist als Soziales Netzwerk unglaublich populär und gewinnt monatlich mehrere Millionen neue Nutzer hinzu. Mittlerweile sind es etwas mehr als 150 Millionen die sich seit dem Erscheinen im Jahr 2010 bei Instagram registriert haben. Zum Vergleich: Facebook hat etwa 900 Millionen User. Existiert aber auch bereits seit 2004. Instagram wächst also verhältnismäßig schneller. Das Besondere am Netzwerk Instagram: Es ist das erste seiner Art das ausschließlich für das mobile Netz konzipiert wurde und auf Bilder und Fotos als visuelles Medium setzt. Man kann hier nicht nur Bilder machen die direkt und unkompliziert auf den Server geladen werden, sondern diese mit diversen Filtern und Werkzeugen zum Beispiel auf alt trimmen und nach Lust und Laune bearbeiten. Und das alles über eine App auf dem Smartphone.
Dass im Zuge des Instagram Booms sehr schnell ähnliche Produkte auftauchen würden war natürlich abzusehen. Ein erfolgreiches Beispiel bietet die Foto-App Hipstamatic. Wenn hier ein Foto aufgenommen wird verändert die App die Aufnahme so, dass sie so aussieht wie aus einer anderen Epoche. Die Filter funktionieren hier wesentlich besser als bei Instagram: Wer also etwa in Düsseldorf den Schlossturm am Burgplatz fotografiert, kann das Foto aussehen lassen als wäre es mit der original Fototechnik vom Beginn des 20. Jahrhunderts aufgenommen worden. Das macht Spaß, ist jedoch nicht kostenlos. Die App kann für 1,59 Euro im App Store erworben werden und gibt es bisher nur für das I-Phone.
Im Android Playstore wiederum sehr beliebt ist aktuell die Foto App Picplz. Ähnlich aufgebaut wie Instagram bietet sie neben den zahlreichen Retro- und Bearbeitungsfunktionen auch eine Reihe von Tagging-Funktionen. Außerdem können die Aktivitäten von Freunden in zahlreichen anderen Netzwerken wie Facebook, Flickr oder Twitter über PicPlz verfolgt werden.
Eine Weiterentwicklung in Bezug auf die Fotobearbeitung stellt die App Pixlr-o-matic dar. Nach Angaben des Herstellers gibt es hier mehr als zwei Millionen Möglichkeiten ein Bild zu bearbeiten. Von Overlay Funktionen über Schattierungen bis hin zu einer großen Menge von Effekten. Wenn es Photoshop als App gäbe, dann würde es vermutlich so aussehen.
5) Android auf dem Vormarsch
Laut einer neue Studie zieht das Android Betriebsystem dem großen Konkurrenten Apple derzeit mit großen Schritten davon. Mehr als 37% aller Smartphones sollen demnach mit dem Google Betriebsystem angetrieben werden. Das sind 150% mehr als noch vor einem Jahr registriert wurden.
Doch was macht den Erfolg von Android aus? Zunächst einmal läuft das System auf vielen Endgräten, während Apples IOS ausschließlich für das I-Phone konzipier ist. Experten loben zudem, dass sich Android viel besser an jede Art von Smartphone anpassen kann, vom Businesshandy bis zum Multmediatelefon für den Gamer. Ein weiterer wichtiger Faktor ist sicherlich die Preisklasse. Während es Androidgeräte für nahezu jeden Geldbeutel gibt, muss für Appleprodukte sehr tief in die Tasche gegriffen werden. Das größte Plus für Android dürfte jedoch seine offene Entwicklung sein. Jeder Experte ist dazu eingeladen sich einloggen und die Zukunft als Entwickler der Softwae mitgestalten. Deswegen kann sich das Android System im sich ständig verändernden Handymarkt schneller an die Begebenheiten anpassen. Das macht das Android Smartphone derzeit für viele Kunden attraktiver als das I-Phone.
6) Superstar durch Youtube
Kreischende Fans, Bodyguards und roter Teppich. Das gab es vor wenigen Wochen bei der Verleihung des Web-Video-Preises im Düsseldorfer Savoy Theater. Der Hype um vermeintliche Stars aus dem Videoportal Youtube nimmt immer größere Ausmaße an. Der Unterschied zum üblichen Verhältnis zwischen Stars und Fans sei jedoch, dass auch die Fans „Macher“ seien und ihre Videos im Videoportal hochladen können, erklärt Markus Hündgen, Oranisator des Webvideopreis. Die Videomacher würden vor allem ihrer Kunst wegen von den Leuten die Leute gefeiert. Das verändere die ganze Stimmung extrem. Mittlerweile haben einige Youtuber gar mehr Zuschauer als die Bravo heute noch Leser. Bestes Beispiel ist der „Let’s Player“ Gronkh mit mehr als 440.000 Abonnenten in seinem Game-Channel Diese Stars zum Anfassen ohne Star Allüren sind es, was die ganze Szene so besonders macht. Es ist eine neue Art von Stars die gar nicht mehr elitär unterwegs ist, sondern es genießt mit den fans zusammen zu sein. Youtube hätte so die Fankultur weltweit verändert, meint Hündgen. Die klasisschen Medien, kritisiert er, würden diesen Trend jedoch verschlafen. Diese hätten die Internetstars nur auf dem Schirm wenn es darum ginge sie als merkwürdige Phänomene darzustellen. Beispiele gibt es auf der Seite des Webvideopreises.
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