Sendung vom 13.02.2012: ACTA-Proteste in Düsseldorf, @Duesseldorf, Path, Adressbuchlücke

Daniel Fiene und Sabine Piel

Daniel Fiene und Sabine Piel

Willkommen zur Ausgabe 109 von unserem Internetmagazin. In dieser Woche mit Daniel Fiene und Sabine Piel.

1.) Studiogast: Markus Sekulla, Projektleiter Social Media der Stadt Düsseldorf.

Kennen Sie Markus Sekulla? Wahrscheinlich nicht, jedoch sind viele von Ihnen schon einmal mit ihm im Internet in Berührung gekommen, denn Sekulla ist Projektleiter Social Media der Stadt Düsseldorf. Er kümmert sich um die Pflege der städtischen Accounts bei Facebook und Twitter.

Der Facebook-Account der Stadt gibt einen Überblick über Neuigkeiten in und zu der Stadt, Veranstaltungen, Konzerte und Sport-News. Außerdem werden Fragen der Facebook-Nutzer beantwortet. Die sind vielseitig. Neben klassischen Bürgerfragen wie „Wo kann ich Neugeborene anmelden?“ können auch Fragen, Kritik oder Anregungen an handelnde Personen der Stadt Düsseldorf weitergeleitet werden.

Generell möchte Markus Sekulla die Möglichkeit der „neuen Medien“ als eine weitere Form nutzen, um mit interessierten Bürgern in Dialog zu treten. Acuh für die Zukunft sei einiges geplant, unter anderem darf man sich auf einige Ideen rund um Karneval freuen.

2.) ACTA Proteste in Düsseldorf

Rund 2000 Teilnehmer haben am vergangenen Samstag in Düsseldorf gegen das ACTA-Abkommen protestiert. Bundesweit wurde zu Protesten aufgerufen, denen sich in mehreren Städten viele zehntausend Menschen anschlossen. Wir haben im Rahmen der Sendung mit dem Internet ja schon über ACTA berichtet.

Die Protestler befürchten Zensur, Netzsperren, totale Überwachung im Netz  durch das Abkommen. Die Kritik an der Kritik wirft an dieser Stelle ein, dass sich bei ACTA fast nichts finden ließe, was nicht in Deutschland ohnehin schon geltendes Recht wäre. Die Bundesregierung hat sich gegen Ende vergangener Woche dazu entschlossen, dem ACTA-Abkommen vorläufig nicht zuzustimmen; sie will aber an ACTA selbst festhalten, da das Abkommen „notwendig und richtig“ sei.

ACTA bleibt also weiterhin eine polarisierende Angelegenheit. Ein Vorschlag kommt von Markus Beckedahl vom Verein Digitale Gesellschaft.  Der hält es für besser, ein neues Urheberrecht zu formen, anstatt das alte zu zementieren.  Durch das veraltete Recht und die heutigen Begebenheiten des Internets begehe heute fast jeder wissentlich oder unwissentlich Urheberrechtsverletzungen – darum müsse man handeln.

3) Path – das intime Sozialnetzwerk

Unsere Website App der Woche heißt Path. Die App gibt es für das iPhone und für Android und könnte für alle interessant sein, denen Facebook eine Nummer zu groß und unübersichtlich ist.

Path ist sehr einfach und übersichtlich gestaltet. Im Fokus der Seite steht wie bei Facebook zum Beispiel auch der Nachrichtenstream, also das was die eigenen Freunde so alles schreiben und mit einem teilen. Unten links in der Ecke gibt es auf dem Path-Bildschirm ein kleines Plus, der einem die Möglichkeit gibt,  selber etwas  zu schreiben –  zum Beispiel wo man gerade ist oder was für Musik man gerade hört.  Darüber hinaus ist auch das Teilen von Fotos möglich.

Wenn man sich auf Posts bezieht, stehen einem – anders als nur „Gefällt mir“  mehrere Alternative zur Verfügung. Fünf verschiedene Symbole, die quasi alle wichtigen Gefühlslagen (lächeln, zwinkern, erstauntes oder  trauriges Gesicht,  rotes Herz) abbilden sollen.
Die maximale Freundesanzahl ist bei Path auf 150 Nutzer begrenzt – so soll eine privatere Atmosphäre unter echten Freunden entstehen.

Letzte Woche gab es einen kleinen Datenschutzärger für Path, der zwar gelöst ist, aber bei anderen Apps noch auftreten kann. Wir erklären das Problem:

4) Adressbuchlücke im iPhone

Einem Programmierer, der eine Mac-App für Path programmieren wollte, ist aufgefallen, dass Path seine Adressbuchdaten nicht nur liest, sondern auch auf den eigenen Servern speichert. Das eine App ein Adressbuch liest, das ist nicht neu, allerdings ist Path einen Schritt weitergegangen. Die Frage „Wie bekommt der Nutzer mit, dass sich seine Freunde bei Path angemeldet haben?“ beantwortet sich Path durch das kopierte Adressbuch auf den Servern. So können Adressbücher verglichen werden und Zusammenhänge zwischen Personen erkannt werden.

Viele Mitglieder haben massiv Kritik geübt, weil sie sich hierzu überhaupt nicht ausreichend informiert fühlten. Path hat darum  alle Adressbuchdaten gelöscht. Zudem hat der Chef sich auf seinem Blog entschuldigt. Zudem gibt es jetzt ein Softwareupdate – absofort werden alle Nutzer gefragt, ob die Adressbuchdaten für diese Funktion genutzt werden dürfen.

Jedoch nicht nur Path, auch eine Version der Facebook iPhone-App und What’s App Konkurent Viber haben Ärger mit Ihren Nutzern bekommen, als sie ungefragt auf Adressbuchdaten zugegriffen haben. What’s App kann man bspw. nur nutzen, wenn man vorher der App das Adressbuch freigibt.

iPhone Apps sind wegen der grundsätzlichen Systemarchitektur häufiger betroffen.  Apple verbietet es seinen Entwicklern zwar Daten vom Smartphone ungefragt zu kopieren, aber es gibt keinen Mechanismus, der dies auch aktiv verhindert. Bei den Android-Geräten ist das etwas anders. Wenn man dort eine App installiert,  wird genau gezeigt, auf auf welche Daten und Funktionen des Smartphones die App zugreifen möchte und ob man damit einverstanden ist.

Viele Kritiker sehen jetzt Apple in der Pflicht.  Sie fordern zum Beispiel, dass Apple das Adressbuch besser schützt und die Nutzer besser sehen können, wenn es einen Datenzugriff gibt und dass es ihn auch tatsächlich nur gibt, wenn der Nutzer das erlaubt hat.

Übrigens, es gibt auch eine Messenger-App, die das vorbildlich löst: KIK – kanadische Konkurrenz zu What’s App, die zwar nicht so verbreitet ist und nur die Basisfunktionen beherrscht, dass eigene Adressbuch aber in Ruhe lässt, wenn man es nicht explizit anders wünscht.

5) Der Patentstreit: Apple vs.  Samsung – und jetzt auch Motorola.

Können Sie sich noch an den vor Gericht ausgetragenen  Streit von Apple und Samsung erinnern? Die Kurzversion: Apple: „Das Galaxy  Tab 10.1N ist genau wie das 10.1 unserem iPad zu ähnlich. Wir lassen den Verkauf wieder verbieten!“ Der Antrag auf einstweilige Verfügung hat das Landesgericht Düsseldorf aber anders bei dem 10.1er-Tab abgewiesen. Samsung darf das Gerät verkaufen.

Jetzt geht es um einen mindestens genauso großen Streit auf dem Mobilfunksektor. Apple attackiert erneut Samsung, genauer gesagt, das Galaxy Nexus, mit dem neuen Google Betriebssystem Android 4.0. Apple findet hierbei, dass dieses Smartphone vier Eigenschaften hat, die Apple patentiert hat, wie zum Beispiel die sprachgesteuerte Suchfunktion, die Funktion, per Fingerwischen den Bildschirm zu entsperren,  die Funktion, mir der Wörter beim Eintippen automatisch vervollständigt werden und das sogenannte Data Tapping. Das meint das Hervorheben von Telefonnummern und anderen nutzbaren Informationen.  Wenn Apple sich durchsetzt ist der Schaden für Samsung riesig. Dann dürfte das Galaxy Nexus auf dem amerikanischen Markt erst mal nicht verkauft werden.

Der Streit hat jedoch eine noch größere Dimension. Denn was Apple im Patentstreit beanstandet, hat sogesehen nichts mit Samsung zu tun, sondern mit dem Betriebssystem von Google.  Google ist gerade dabei, den US-Handykonzern Motorola für 12 ,5 Mrd. Dollar zu übernehmen, auch um das Patentarsenal hinter Android zu stärken.

Und jetzt kommt Apple wieder ins Spiel: Auch Apple und Motorola haben sich schon den ein oder anderen rechtsstreit ausgefochten – da gibt es inzwischen drei Patent-Verfahren.  Wegen dem Patent um den Funkstandard G R P S hatte Motorola sogar erwirkt, dass Apple den Verkauf von mehreren iPhone- und iPad-Modelle in Deutschland stoppen musste. Dies wurde jeodoch bereits wenige Stunen später vom Oberlandesgericht Karlsruhe wieder aufgehoben.

Als wäre die ganze Sache nicht schon komoliziert genug, will Aplle jetzt mit der Klage gegen die Klage erwirken, dass der Umgang mit den so genannten „Basis-Patenten“ klarer geregelt wird.  Laut einem Brief an das europäische Standardisierungsgremium ETSI schlägt Apple vor, dass Urteile zu solchen Patenten nicht für Verkaufsverbote genutzt werden dürften. Diesen Vorschlag befürworten unter anderen der Netzwerkausrüster Cisco und der Softwarekonzern Microsoft.

Der aktuell herrschende Patentkrieg unter den Smartphone- und Tablet-Herstellern – unter’m Strich ist es der Kampf um Marktanteile.  Den möchte Apple jetzt mit dem Vorschlag, ein Verkaufsverbot als Sanktion auszusetzen.

 

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