Die Schließung des Filehosters Megaupload hat in vielen Medien starke Reaktionen ausgelöst. Man könnte dabei meinen, dass zwischen off- und online-Medien deutliche Unterschiede in der Beurteilung festzustellen sind, gerade weil Megaupload größtenteils nur durch das Internet so mächtig werden konnte. Jedoch sind die Meinungen im Internet sehr differenziert und damit umso interessanter, weshalb sich dieser Blogeintrag nun damit befasst.
Die Befürworter von Megaupload verteidigen das Geschäftsmodell u.a. in dem sie einen Vergleich zum System der Post herstellen. Die Post sei ja schließlich auch nicht verantwortlich für den Inhalt ihrer Sendungen, sondern bietet den Kunden lediglich die Möglichkeit Inhalte von A nach B zu versenden bzw. zu empfangen.
Die Piraten-Partei steht der Schließung Megauploads ebenfalls mehr als kritisch gebenüber. Sie bemängelt, die Begründung der Anklageschrift sei mehr als fragwürdig und zeigt sich „besorgt über den mittlerweile großen Einfluss der Verwerterindustrie“. Auch die Piraten ziehen einen Vergleich heran und sprechen bei Dienstleistungen der Filehoster von der rechtlich gleichen Situation wie bei einem Lagerhallenbetreiber. Es sei ihrer Meinung nach nur legitim, dass ein Betreiber mit dieser angebotenen Dienstleistung sein Geld verdienen möchte und darum sei es absurd, den Betreiber für das Verhalten seiner Kundschaft zur Verantwortung zu ziehen.
In der Pressemitteilung sprechen die Piraten zudem von der “Content-Mafia”. Damit ist ein Teil der Copyright bzw. Content-Industrie gemeint, der nach Ansicht der Partei undurchsichtig arbeitet und mit seiner Einflussnahme verschiedenste Ebenen des Staates durchzieht. Zudem betreibe dieser Teil massiven Lobbyismus um Gesetzentwürfe in eine bestimmte Richtung zu rücken, teils durch enormen finanziellen Einfluss.
So viel zu den Befürwortern.
Die gegenteilige Meinung der Kritiker begründet sich im Falle von Martin Weigert damit, dass das gesamte Systm bei Megaupload auf dubiose Weise und mit der Promo-Unterstützung von prominenten Künstlern wie z.B. Busta Rhymes die Musikindustrie ernsthaften angreifen wollte.
Johnny Haeusler von spreeblick.com kritisiert unter anderem die angeblichen Pro-Argumente, die sich auf die o.g. Post- oder Lagerhallenvergleiche beziehen. Da zum einen der Post nicht vorgeworfen wird, Mechanismen zum Aufspüren und Aneignen illegal verbreiteter Sendungen entwickelt zu haben und Kunden dafür zu bezahlen, solche Inhalte bereitzustellen, sei das Argument so nicht gültig. Der Pressemitteilung der Piraten-Partei unterstellt er eine gewisse Naivität, zudem könne man – vorausgesetzt die Vorwürfe gegen Megaupload bewahrheiten sich – auch von einer zweiten Dimenson der “Content-Mafia” sprechen. Allerdings sieht er auch die Unterhaltungsbranche in der Pflicht, aus der Erfolgeschichte von Megaupload zu lernen und eine internationale Lösung für ihre Konsumenten anzubieten.
Der Blogger Fefe hält es für falsch, sich mit Kim Schmitz bzw. Megaupload solidarisch zu erklären und verweist dabei auf Schmitz’ Vergangenheit, als er sich mit seinen BBS-Firmen erstmals einen Namen gemacht hat. Da in diesen Firmen unter anderem Raubkopien und gestohlene Calling Cards gehandelt wurden, wurden sie alsbald geschlossen und Schmitz zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. An der Aufklärung der Angelegenheit hat Schmitz durch Zusammenarbeit mit Günther Freiherr von Gravenreuth aktiv mitgewirkt und so seine Kunden und den Rest der Szene „ans Messer geliefert“.
Wenn man jetzt die gesamte Situation bewerten will, kann man sicherlich noch stundenlang debattieren, Pro- und Contra-Argumente austauschen und über Fehler der Unterhaltungsindustrie und Megaupload sinnieren. Es bietet sich allerdings an, sich Johnny Haeuslers Meinung zumindest in Teilen anzuschließen: Der ist der Ansicht, dass das eine Übel das andere noch lange nicht rechtfertigt – und sowohl die Einflussnahme einzelner Industrien auf die Politik unter Ausschluss der Öffentlichkeit genauso falsch ist wie die Tatsache Megaupload ein romantisches Robin Hood-Image anzudichten
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