Die PC- und Videospielebranche wächst und hat sich mittlerweile zu einem Wirtschafts- und Standortfaktor entwickelt. Ein Spieleentwickler und Publisher zieht andere Wirtschaftszweige nach sich. Wo ein Studio sitzt, wird auch ein Tonstudio für die Sprachaufnahmen, ein Übersetzer usw. benötigt. Daraus ergibt sich ein ganzes Netzwerk, das gerade am Standort NRW relativ gut unterstützt wird.
Da ergibt sich die Frage: wie werde ich überhaupt Spieleentwickler, Gamedesigner oder Programmierer?
Benedikt Grindel, Produzent von „Die Siedler 7“, Blue Byte, erklärt, dass die Spielebranche noch im Jahr 2000 überwiegend aus Quereinsteigern bestand. Eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich gab es nicht. „Das Thema Quereinsteiger hat sich in den letzten Jahren allerdings auch deutlich verändert“, sagt er weiter. „Es gibt inzwischen doch immer mehr Ausbildungsberufe – wir bilden selber auch aus -, die auf eine Tätigkeit in der Computerspieleentwicklung hinarbeiten.“
Die Wahrscheinlichkeit, qualifiziertes Personal zu finden, steigt durch die neu geschaffenen Ausbildungswege. Sich auch einmal theoretisch mit dem Thema auseinander gesetzt zu haben bietet eine ganz andere Grundlage und so werden inzwischen auch immer mehr Menschen eingestellt, die solch eine Ausbildung, solch ein Studium hinter sich haben. „Echte Quereinsteiger gibt’s heute eigentlich immer weniger“, sagt Grindel.
Was vor allem aber zählt, sind die Leidenschaft, der Spaß und die Freude am Spiel selbst. „Also es ist schon so, dass natürlich immer noch sehr viele Leute hier bei uns anfangen, die immer schon leidenschaftlich gerne Computerspiele gespielt haben. Manchmal muss man denen erst mal ein bisschen die Flausen aus dem Kopf holen, weil natürlich ein Computerspiel gerne zu spielen und ein Computerspiel herzustellen etwas ganz unterschiedliches ist“, erklärt Grindel. Es macht leider nicht immer Spaß etwas herzustellen, das am Ende Spaß macht. Die Entwicklung und Produktion eines PC- oder Videospiels kann durchaus ein langer und mühseliger Prozess sein, der auch zwei bis drei Jahre dauert. Umstände, die einige unterschätzen, und die dazu führen, dass Bewerber schon vor Beginn bzw. direkt am Anfang ihrer Tätigkeit wieder aufgeben.
„Dann ist es natürlich so, dass trotzdem auch die Leute, die sagen ‚Ja, ich möchte das machen‘ und die das auch ernsthaft annehmen und auch wissen, dass das auch harte Arbeit ist, […] sich inzwischen überlegen, was muss ich denn tun, um da reinzukommen?“, so Grindel. Wie in anderen Branchen auch sind Praktika nötig, um einen Einstieg und erste Erfahrungen zu sammeln. Darüber hinaus gibt es IHK-geprüfte Ausbildungen und auch Studiengänge, die sich mit dem Thema Spieleentwicklung befassen oder zumindest in diesen Bereich hineinspielen. „Wir haben z.B. ganz klassisch IT-Systeminformatiker […], Medienkaufleute bilden wir u.a. aus, z.B. wenn jemand was im Projektmanagement macht, das geht dann in diese Richtung, […] also wenn jemand programmiert, dann wird’s in irgendeiner Form nachher ein Informatiker sein“, sagt Grindel.
Auch wenn es heute kaum noch Quereinsteiger gibt – die Möglichkeit es ohne Ausbildung oder Studium in diesem Bereich zu etwas zu bringen ist nicht ausgeschlossen. „Und bei uns tut sich auch noch so viel, wir brauchen auch flexible Leute. […] Am Ende muss man einfach sagen, das Studium ist nur ein Werkzeug und es kommt schon auf den Menschen selber an, was der dann daraus macht“, erklärt Grindel.
Das soll nicht heißen, dass Bewerber auch ganz ohne Vorbildung auskommen. Eine gewisse Grundlage und die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema werden schon vorausgesetzt. „Aber es ist eben nur ein Kriterium und nicht das entscheidende – das Entscheidende ist, dass man am Ende gute Ergebnisse bringt. Einer unserer besten Programmierer hat überhaupt kein Studium“, sagt Grindel.
Trotz Professionalisierung bleibt ein Phänomen: die Branche besteht immer noch hauptsächlich aus Männern. Aber, da immer mehr Frauen PC- und Videospiele spielen und somit auch immer mehr Spiele speziell für Frauen entwickelt werden, wird sich deren Anteil in der Branche wohl in den nächsten Jahren erhöhen. „Ich glaube nicht, dass Computerspieleentwicklung auf Dauer eine rein männliche Domäne bleiben wird. Vielleicht werden immer ein paar mehr Männer programmieren, aber das wird sich schon noch verändern“, sagt Benedikt Grindel, Produzent von „Die Siedler 7“.
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