Am 1. September ist der US-Konzern Apple mit einem neuen sozialen Netzwerk namens „Ping“ an den Start gegangen. Dabei soll sich alles um Musik drehen, wie Apple-Chef Steve Jobs auf einer Produkt-Präsentation in San Francisco berichtete. Ping ist eine Erweiterung der Musik-Software und Apple-Medienschnittstelle iTunes, die in der Version 10 vorgestellte wurde.

„Mit über 160 Millionen iTunes Nutzern in 23 Ländern ist iTunes weltweit die Nummer eins der Musik Communities. Mit Ping erweitern wir iTunes jetzt um eine Social Networking Funktion. Mit Ping kann man seinen Lieblingskünstlern und Freunden folgen und sich an einer weltweiten Unterhaltung mit den leidenschaftlichsten Musikfans beteiligen.“, so Steve Jobs über den neuen Dienst.
Im Prinzip ist die Funktionsweise von „Ping“ recht einfach: Jeder Nutzer mit einem iTunes-Account kann auf „Ping“ berichten, welche Alben und Songs er kauft, wie er sie findet, was er gerne hört und darüber mit Freunden oder anderen Fans diskutieren. Apples Bestreben dahinter ist wohl vor allem die Steigerung von Musikverkäufen. Damit stellt „Ping“ eine Weiterentwicklung von der schon seit längerem bestehenden Funktion „Genius“ dar.
Mit „Genius“ sammelt Apple Daten über die Hörgewohnheiten der iTunes-Nutzer. Die gesammelten Daten werden analysiert und in Kaufempfehlungen für jeden einzelnen Nutzer umgewandelt. Vorteil für die User: Sie bekommen von Apple Empfehlungen, welche Musik ihnen gefallen könnte (ähnlich der Funktion von Amazon „Andere Kunden haben sich auch hierfür interessiert“) oder können sich so genannte „Genius“-Mixe generieren lassen, die in der Zusammenstellung und Reihenfolge der Titel auf den Hörgewohnheiten aller Genius-Nutzer basieren.
Mit „Ping“ sammelt Apple nun auch Daten über das soziale Gefüge der Nutzer und kann so noch bessere Empfehlungen erstellen. Denn was dem Freund von Nutzer A gefällt und was er gerne hört, entspricht mit höherer Wahrscheinlichkeit den Hörgewohnheiten Nutzer A als die Lieblingsmusik irgendeines beliebigen Nutzers B. Der Effekt: Musik-Empfehlungen werden eher wahrgenommen und Apple kann seine angebotene Musik noch besser vermarkten. Außerdem spekuliert Apple, dass Songs und Alben, über die „Ping“-Nutzer viel und häufig diskutieren, auch häufiger verkauft werden.
In der Technik-Welt fällt „Ping“ größtenteils durch: „Apples Ping braucht kein Mensch. Außer Steve Jobs, versteht sich.“ schreibt beispielsweise Christian Stöcker bei SPIEGEL ONLINE. „Ein Social Network für Musikliebhaber soll Ping sein, die neueste Ergänzung von iTunes. Das ist Ping aber nicht.“ Er nimmt dabei Bezug auf die Geschlossenheit des „Ping“-Systems. Zwar können die Nutzer Statusnachrichten posten, Links können jedoch nicht eingebunden werden. Auch Verbindungen zu anderen Netzwerken wie Facebook oder Twitter gibt es fast gar nicht.
„Denn das Unternehmen will kein offenes Internet. Es setzt Grenzen, und auch bei Ping ist das Teilen und Herrschen nicht die Philosophie von Steve Jobs. Während sich Facebook, Twitter und MySpace immer stärker untereinander vernetzen, bleibt Ping eine Welt für sich. Das hat bei Apple Tradition. iTunes war schon immer eine geschlossene Welt, selbst beim Musikformat ist das US-Unternehmen stets einen Extraweg gegangen.“, so Der Tagesspiegel.
In diesem Zusammenhang hat sich nun das sehr beliebte Netzwerk Facebook gegen „Ping“ gestellt und es Apple untersagt, auf die Freundeslisten seiner Nutzer Zugriff zuzugreifen. Diese Funktion dient normalerweise dazu, es den Nutzern zu erleichtern, ihre Bekannten von anderen Netzwerken auch im neuen Social Network zu finden. Da sich Apple jedoch nicht öffnen wollte, hat Facebook diese Option, die normalerweise für alle Entwickler offen steht, für „Ping“ gesperrt. Facebook habe bei den Nutzungsbedingungen zu viel Druck ausgeübt, so Steve Jobs gegenüber Kara Swisher bei All Things D.
Wie sich „Ping“ in Zukunft entwickelt und ob es sich weiter abkapseln wird, ist noch nicht gesagt. Und auch wenn es sich wirklich nur um ein weiteres Marktanalyse-Werkzeug von Apple handeln sollte, bleibt natürlich abzuwarten, ob sich die User daran stören werden oder ob sie „Ping“ trotzdem in ihre Liste sozialer Netzwerke aufnehmen werden.
Ein optimaler Start sieht nichtsdestotrotz anders aus.
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