Im letzten Herbst berichteten wir, dass es neue Versandkostenregelungen bei Ebay geben würde: Verkäufer dürfen seit Oktober keine Versankosten mehr erheben. Was für die Käuft attraktiv wirkt, ist schlecht für die Verkäufer – sowohl für die großen Unternehmen als auch für die privaten Verkäufer. Was als Schutz vor überteuerten Versandkosten gedacht war, diene in Wirklichkeit dazu, mehr Geld einzunehmen, werfen die User dem Online-Auktionshaus vor.
Das Problem taucht insbesondere bei der Benutzung durch private Nutzer auf: um Ebay-Gebühren zu umgehen, haben sie oftmals einen Einstiegspreis von einem Euro gewählt – über die Versandkosten bestand die Möglichkeit, Gewinn zu machen. Durch die neue Regelung werden die Verkäufer dazu gezwungen, höhere Einstiegspreise zu wählen, um für sich selbst einen Mehrwert kreieren zu können – das wiederum ist mit Gebühren verbunden, die Ebay zu gute kommen.
Aufgrund großer Proteste der User rudert Ebay nun zurück und führt neue Regelungen ein. Wir haben in der Sendung vom 1. Februar mit dem Sprecher des Auktionshauses, Wolfgang Huber, ein Interview geführt, das sich hier noch einmal leicht geglättet und gekürzt zu finden ist.
Sendung mit dem Internet: Guten Abend, Herr Huber. Bis jetzt gab es viel Kritik von den privaten Verkäufern – sie fühlten sich durch die neue Regelung über den Tisch gezogen. Wie sehen die neuen Regelungen aus?
Wolfgang Huber: Wir haben aufgrund der Proteste jetzt eine Regelung gefunden, mit der beide Seiten gut leben können. Die Möglichkeit, vollkommen überhöhte Versandkosten zu verlangen, besteht nicht – dennoch haben die Verkäufer jetzt mehr Spielraum. Sie können die Kosten jetzt deckeln, indem es eine einheitliche Norm gibt, nach der bis zu sieben Euro für den Versand verlangt werden konnten. Dies gilt für alle Produkte, für die vorher kostenloser Versand vorgeschrieben war. Auch für bisher noch nicht betroffene Produktkategorien haben wir eine Regelung geschaffen, nach der beispielsweise bei Bücherversand auch eine Obergrenze für den Versand gesetzt wird, die zwar unter sieben Euro liegt, dem Versender aber auf jeden Fall eine Kostendeckung und Spielraum ermöglicht.
Sie haben nicht nur die Regelungen für die privaten Verkäufer, sondern auch für das Gewerbe angepasst. Es soll einfacher werden, den Status Power Seller zu erlangen. Was ändert sich da?
Da setzen wir ganz einfach die Anforderungen runter. Bis heute mussten Sie, um Power Seller zu werden, in drei aufeinander folgenden Monaten 3000 Euro und mehr umsetzen oder 300 Artikel und mehr in diesem Zeitraum zu verkaufen. Die neuen Regeln schreiben vor, innerhalb der letzten zwölf Monate 2500 Euro Umsatz zu machen oder 100 Artikel im Zeitraum eines Jahres zu verkaufen. An diesem wirklich dramatischen Rückgang, können Sie ablesen, wie wichtig uns Qualität an dieser Stelle ist – die verkaufte Menge ist somit nicht mehr das allein selig Machende.
Zusätzlich gibt es eine weitere Regelung: Neukunden müssen Ihre Bezahlmethode Paypal mit anbieten. Welchen Zweck verfolgen Sie damit?
Diesen Schritt haben wir gemacht, um Käufern noch eine zusätzliche Absicherung zu bieten, weil die Sicherheit und die Zufriedenheit der Käufer sehr wichtig für uns ist. Gerade bei jungen Verkäufern ist es so, dass es schwer fällt, ein Urteil auf Grundlagen der Bewertungen zu treffen, da die Historie der Verkäufer meistens noch sehr kurz und damit nicht aussagekräftig ist. Die Kunden verlangen nach einer gewissen Sicherheit, sodass Verkäufer mit weniger als 50 Bewertungen Paypal als eine Methode zur Bezahlung anbieten müssen. So muss der Käufer keinen Vertrauenvorschuss leisten und kann sich sicher sein, dass er sein Geld zur richtigen Ware in der versprochenen Qualität liefert.
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