In der letzten Sendung hatten wir aufgeregte Bürger aus Niederkassel im Radio. Wir haben da über die Bürgerinitiative “Unser Lotharvierteil” gesprochen, die dagegen ist, dass Google Fotos von der Nachbarschaft macht. Die große Frage: Was passiert mit den Briefen, die die Bürgerinitiative in Richtung Google verschickt? Wir haben darüber mit Google-Deutschland-Pressesprecher Stefan Keuchel gesprochen.
Herr Keuchel, was sagen Sie, wenn sie die Datenschutz-Bedenken der Niederkasseler Bürger hören?
Keuchel: Zunächst einmal ist es wichtig, zu verstehen, dass es natürlich Menschen gibt, die sich Gedanken zu diesem Service machen. Wir bieten mit Google Street View einen Service an, der neu ist. Den kennen die Menschen noch nicht und natürlich macht man sich insbesondere in Deutschland eine ganze Menge Gedanken um solche Dienste. Aber man muss sich auch schlau machen, was das denn für ein Dienst ist. Es handelt sich beispielsweise nicht um eine Möglichkeit, den gläsernen Bürger zu erschaffen. Google Street View ist ein Bestandteil von Google Maps, unserer lokalen Suchmaschine. Mit Google Street View habe ich die Möglichkeit, mir beispielsweise fremde Orte anzuschauen. Nehmen wir mal an, ich plane einen Urlaub in Paris, dann kann ich mir im Vorfeld anschauen, wie das Hotel aussieht, in dem ich übernachten werde, in welcher Gegend es sich befindet und ob es in der Nähe dieses Hotel Sehenswürdigkeiten oder Restaurants gibt, in denen ich was essen kann. Es zeigt Fotoaufnahmen – keine Filme, was häufig auch falsch geschrieben wird – es sind also Fotoaufnahmen, die die Fassaden von Gebäuden und Straßenzüge zeigen. Was damit nicht passiert, ist die von der einen Hörerin geäußerte Sorge, dass dort ein gläserner Bürger entsteht, denn wir zeigen ja keine Fotos von ihr, sondern wir zeigen maximal ein Foto von ihrem Haus.
Also Autokennzeichen, Gesichter und Privathäuser werden auf Verlangen rausgenommen oder wie funktioniert das?
Keuchel: Ich kann das jedem empfehlen, sich das mal tatsächlich anzuschauen. Google Maps pixelt von sich aus Gesichter und Autokennzeichen. Das heißt, darum braucht sich kein Mensch extra zu kümmern. Sondern in jedem Land – 13 gibt es inzwischen in der Welt, wo Google Street View inzwischen auf den Weg gebracht ist, in Deutschland gibt es Street View noch gar nicht – dort werden Gesichter von Passanten, die zufälligerweise auf den Bildern zu sehen sind und auch Autokennzeichen verpixelt – sprich: unscharf dargestellt. Denn es geht bei Google Street View mitnichten darum, Personen zu zeigen und die Fassaden von Häusern.
Jetzt gibt es allerdings auch Beispiele, dass diese automatische Erkennung nicht funktioniert – also, dass man tatsächlich Autokennzeichen und Gesichter sieht. Wie zuverlässig ist denn das Ganze?
Keuchel: Hier handelt es sich um ein Stück Software, dass wir eigens dafür entwickelt haben. Keine Software auf dieser Welt ist natürlich zu 100 Prozent perfekt. Ich denke, dass sie zu 99 Prozent die Gesichter verpixelt. Von den Medien aufgegriffen werden natürlich immer wieder die wenigen Ausnahmen, wo es dann mal nicht so gut funktioniert hat. Immer wieder wird man zum Beispiel auf ein inzwischen zwei Jahre altes Thema treffen, wo wir im Central Park anstelle des Gesichtes des Kutschfahrers das Gesicht es Pferdes verpixelt haben. Das wird natürlich immer gerne herangezogen als Beispiel, dass die Software doch nicht funktionieren würde. Wir haben natürlich dazu gelernt und sind auch immer bemüht, das weiter zu verbessern. Ich denke zu 99 Prozent ist das von uns aus verpixelt. Darüber hinaus – und das ist ganz wichtig zu wissen – gibt es immer und überall die Möglichkeit, uns zu informieren, wenn man auf ein Bild stößt, das man bedenklich findet. Nehmen wir mal an, wir launchen Google Street View in Deutschland und ich erkenne mich selbst auf so einem Bild. Dann habe ich auf jeden Fall immer die Möglichkeit, unten links einen Link anzuklicken “Ein Problem melden”. Dort kann man sagen: Passt mal auf, liebe Leute von Google, das hier ist mein Haus, mein Gesicht, mein Fahrrad oder meine Katze – und wir entfernen dieses Foto dann auf Wunsch.
Jetzt will die FDP am Donnerstag hier im Stadtrat fragen, ob der nicht Einspruch gegen die Veröffentlichung der öffentlichen Häusern einlegen möchte. Herr Keuchel, was sagen Sie, wenn Sie das hören? Denn wenn zu viele Häuser rausgenommen werden müssen, dann macht Street View ja auch keinen Sinn mehr, oder?
Keuchel: Dazu gibt es verschiedene Dinge zu sagen. Zum einen macht es Sinn, sich den Dienst einmal anzuschauen, um zu gucken, ob man hier nicht vielleicht ein wenig über das Ziel hinaus schießt. Ich kann dazu sagen, dass wir natürlich verschiedene Gutachten in Auftrag gegeben haben. Aber es gibt auch Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Landtags in Schleswig-Holstein. Auch das Innenministerium von Schleswig-Holstein und auch der bayerische Staatsminister des Innern hat ebenfalls ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die kommen alle zu dem selben Schluss, dass Google Street View aus datenschutzrechtlicher Sicht als zulässig einzustufen ist. Es gab in Deutschland ein Beispiel, das auch vor einiger Zeit in den Medien die Runde gemacht hat. Es handelte sich um einen kleinen Ort bei Kiel, der heißt Molfsee. Da hat auch der Bürgermeister vor einiger Zeit gesagt: Wir sind gegen Street View und wir wollen nicht, dass die Stadt Molfsee in Street View zu sehen ist. Ganz interessant vielleicht, ein paar Zahlen dazu zu bekommen. Seitdem wir diese Widerspruchmöglichkeit gegeben haben, haben wir weniger als zehn Widersprüche von Bürgern aus Molfsee bekommen, die tatsächlich nicht wollten, dass ihr Haus dort gezeigt wird. Ich glaube, man muss vorsichtig sein, mit solchen pauschalen Aussagen, dass nun die ganze Welt gegen Street View sei. Wenn man im Einzelfall nämlich die Leute fragt, hört man durchaus andere Meinungen dazu.
Um etwas Licht ins Dunkel bringen zu können: Wie alt sind denn die Bilder von Google Street View und wie oft werden die aktualisiert?
Keuchel: Das ist eine gute Frage. Erstmal ist es ganz wichtig zu verstehen, dass das keine Live-Bilder sind. Viele Leute denken, wir würden Live-Bilder zeigen. Doch wie Sie schon richtig gesagt haben: Es sind Fotos. Diese Fotos sind in der Regel mehrere Monate alt, bevor wir die dann auch tatsächlich veröffentlichen. Um das noch mal zu sagen: Google Street View gibt es in Deutschland noch gar nicht. Die Aufnahmen, die wir auch im vergangenen Jahr erstellt haben, die wir, wenn es Street View in Deutschland live gibt, dann auch zeigen werden. In einigen Fällen werden die Bilder auch schon ein, zwei Jahre alt sein. Das sind keine Live-Bilder, sondern die Aufnahmen sind mehrere Monate alt und es sind Fotos – keine Videoaufnahmen. Und ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist es, zu verstehen, dass die Fotos, die wir machen, jedermann jederzeit machen könnte. Wir fahren im öffentlichen Raum auf ganz normalen Straßen und machen aus diesem öffentlichen Raum heraus Fotos. Diese Fotos könnte jedermann jederzeit machen.
Wann geht es los in Deutschland?
Keuchel: Wir hoffen bald. Wir sind hier in Deutschland ein bisschen im Verzug, weil wir die Möglichkeiten des Widerspruchs hier in Deutschland erweitert haben und das natürlich respektieren. Wir hoffen, dass wir das im Frühjahr 2010 auf den Weg bringen werden.
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